Archiv für den Autor: Wolfgang Wegert

Das gereinigte Licht

Eine weihnachtliche Andacht von Pastor Wolfgang Wegert.

Der Bauernsohn, Prediger und Erwecker Norwegens Hans Nielsen Hauge verbrachte wegen seines Glaubens viele Jahre im Gefängnis, so auch Weihnachten im Jahr 1805. Er saß in seiner Zelle auf der harten Pritsche, das Gesicht in seinen Händen vergraben. In seiner Seele tobte ein heißer Kampf. Nicht einmal zu Weihnachten durfte er Besuch empfangen. Sollte er den Rest seines Lebens in dunkler Isolationshaft verbringen und nie wieder die Gesichter seiner Lieben sehen? Er war nahe dran, mit Gott zu hadern, und weinte sehr.

Jesus, meine Zuversicht

Aber mitten in seine Depression hinein ertönten aus der Ferne plötzlich die Heiligabend-Glocken – wie ein Gruß aus dem Himmel. Das packte ihn so sehr, dass er anbetend auf seine Knie niedersank und eine tiefe Freude vom Herrn über ihn kam. Danach stand er auf und stimmte voll inneren Glücks das bekannte Lied an: „Jesus, meine Zuversicht und mein Heiland, ist im Leben … sollt ich nicht darum mich zufriedengeben, was die lange Todesnacht mir auch für Gedanken macht? … Seid getrost und hocherfreut, Jesus trägt euch, Seine Glieder. Gebt nicht statt der Traurigkeit: Sterbt ihr, Christus ruft euch wieder!“

Wenn Hauge dieses Lied in seiner Zelle nicht laut gesungen hätte, hätte er nie mitbekommen, dass draußen am Zaun zwei seiner geliebten Brüder standen. Samson Traae und Ole Rörsveen waren von weit her zu Fuß gekommen, um ihn zu besuchen. Aber trotz Bitten und Betteln hatte man auch sie nicht zu Hauge gelassen. Und so standen sie enttäuscht und deprimiert am Gefängniszaun und rätselten, hinter welchem Gitterfenster ihr Freund wohl einsitzen würde. Und da auf einmal hörten sie das Lied der Zuversicht von oben aus einer der Zellen. Sie erkannten sofort, dass es Hauge war, der da sang. Atemlos lauschten sie dem Lied bis zu Ende. Und als es verstummt war, erhoben sie ihre Stimmen und sangen dasselbe Lied „Jesus, meine Zuversicht“ von Herzen zurück. Der gefangene Erweckungsprediger horchte auf. Waren das nicht die Stimmen seiner Glaubensbrüder? Er trat an das Gitterfenster. Die Brüder unten sahen ihn und weinten vor Freude. Und doch wollte es sie sehr schmerzen, dass sie kein persönliches Wort von ihm hören konnten, keine Botschaft für die Gemeinden.

Das gereinigte Talglicht

Aber da sahen sie plötzlich am Fenster den schwach brennenden Docht eines Talglichtes, das Hans Nielsen Hauge hochhielt. Lautete etwa seine Botschaft, dass das Licht über Dunkelheit, Verfolgung und Gefängnis siegen wird? Während sie darüber noch nachdachten, verschwand das kleine Lichtlein und tauchte nach einer Weile überraschend wieder auf. Hauge hatte jetzt in der anderen Hand eine Lichtschere und putzte das Lichtlein, woraufhin sich eine feste Flamme erhob, die sehr hell leuchtete. Während Hauge sie hochhielt, sang er das Lied „Ein feste Burg ist unser Gott“. Nachdem die letzte Strophe verklungen war, nahm er auch die Lampe wieder runter. Samson Traae und Ole Rörsveen blieben noch lange aufgewühlt und nachdenklich am Zaun stehen, ehe sie wieder aufbrachen und von Trondheim aus den langen Weg bis nach Bergen zurückgingen.

Sie hatten Hauge nicht persönlich treffen können, seine Botschaft aber hatten die beiden Brüder verstanden: Es gilt, das Licht des Evangeliums rein und hell zu erhalten, damit es der Welt leuchten kann. Dazu ist eine reine Gemeinde nötig – eine, die Licht und nicht Zwielicht ist. Auch jeder persönlich soll Licht der Welt sein (Matthäus 5,14-16). Aber das können wir nicht ohne eine Behandlung durch die Dochtschere. Bis zu Beginn des 19. Jahrhunderts waren Kerzen gewöhnlich aus tierischem Fett (Talg) gefertigt und rußten und tropften umso stärker, je länger der nicht brennbare Docht wurde. Deshalb musste dieser regelmäßig gekürzt werden, was in großen Räumen mit vielen Kerzen eine konstante Arbeit erforderte. So ist auch an uns eine konstante Arbeit nötig. Unser alter Mensch, der stinkende Docht, muss ständig gekürzt werden. Sonst rußen wir und verpesten mehr die Luft, als dass wir leuchten. Darum sagt die Schrift: „Weil wir nun diese Verheißungen haben, Geliebte, so wollen wir uns reinigen von aller Befleckung des Fleisches und des Geistes zur Vollendung der Heiligkeit in Gottesfurcht!“ (2. Korinther 7,1).

Aber die Botschaft des Hans Nielsen Hauge war nicht nur die, dass wir uns durch ein tägliches „Ablegen“ unseres alten Menschen reinigen sollen, sondern auch die, dass das ebenso durch Not und Trübsal geschieht. Kummer und Leiden sind eine enorm gute „Lichtschere“. Sie beschneiden unser immer noch so böses Herz auf effektive Weise. So bedenkt, dass unsere Bedrängnisse nie umsonst sind. Der Herr benutzt sie dazu, uns zu reinigen und zu heiligen, damit wir immer wieder neu leuchten und zu Seiner Ehre hell erstrahlen – auch an Weihnachten. Das schenke uns der eingeborene Sohn vom Vater.

Eckstein 2016 – Gott allein bewirkt das Heil

eckstein2016qaMit einem Gottesdienst ging am Sonntag (02.10.) die diesjährige „Ecksteinkonferenz“ der Arche in Hamburg zu Ende, zu der sich insgesamt 1200 Besucher eingefunden hatten. Zum Thema „Allein aus Gnade – das Herz reformierten Glaubens“ sprach neben den Arche Pastoren Christian und Wolfgang Wegert und Andy Mertin auch Dr. Voddie Baucham, Dozent an der theologischen Universität Lusaka, Sambia. Sie betonten, dass die Gnade in ihrer vollen Dimension, wie die Bibel sie uns vorstellt, erst erkannt wird, wenn der Mensch als das gesehen wird, was er wirklich ist, nämlich tot – geistlich tot. eckstein2016voddiebauchamVoddie Baucham lehnte es deshalb ab, das Evangelium als Rettungsring darzustellen, den der Sünder ergreifen müsse. „Wie kann er das, wenn er eine Leiche ist?“, so der Gastsprecher. Seiner Meinung nach hilft auch der Einwand nicht, dass der Mensch intellektuell aber lebe und deshalb nicht wirklich als ganz und gar tot gelten könne. Aber das – so Baucham – weist die Schrift zurück, wenn sie sagt, dass der natürliche Mensch vom Geist Gottes nichts vernimmt – also für geistliche Dinge doch völlig tot.

Pastor Christian Wegert unterstrich die Notwendigkeit des einseitigen Eingreifen Gottes, indem er daran erinnerte, dass die Bibel Christwerden als eine Geburt bezeichnet. Und so wie die natürliche Geburt ohne Erlaubnis des Geborenen einfach geschieht, ereignet sich auch die neue Geburt, ohne sie vorher angenommen zu haben. Aber wenn sie aus Gottes freiem Willen heraus stattgefunden hat, dann will der Neugeborene natürlich leben und glauben.

Dass der Glaube die Folge der Wiedergeburt ist und nicht umgekehrt, zeigte Pastor Andy auf überzeugende Weise. Er entlarvte es als Werkegerechtigkeit, wenn behauptet wird, dass der Glaube des Menschen der Auslöser seiner Wiedergeburt sei. Stattdessen wies Andy auf Gottes Wort hin, das besagt: „ Jeder, der glaubt, dass Jesus der Christus ist, der ist aus Gott geboren“ (1.Joh 5,1). Niemand hat also lebendigen Glauben, es sei denn, er ist zuvor aus Gott geboren. Demzufolge bewirken nicht Mensch und Gott gemeinsam das Heil, sondern einzig und allein der Herr – also doch „Sola Gratia“

Dieses Evangelium der Bibel erfreute die Besucher sehr, sodass viele bezeugten, durch die Konferenz viel Klarheit und Vertiefung ihres Glaubens gefunden zu haben.

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Evangelium für unser Land

Am 20.11.2013 Buß- und Bettag, in Sachsen noch ein Feiertag, fand in Leipzig ein „Evangelium für unser Land“ Einsatz statt. Im Pavillon der Hoffnung, auf dem Messegelände der Stadt gelegen, versammelten sich rund 250 TV-Zuschauer und Missionsfreunde der Arche. Das kleine Gesangsteam aus Hamburg unter der Leitung von Norma Huck erfreute die Teilnehmer sehr, sodass alle von Herzen in den Lobpreis zur Ehre Gottes mit einstimmten. Nach aktuellen Missionsinformationen aus der Arche, insbesondere dem weltweiten Projekt „Hoffnung für Kinder“, predigte Pastor Wolfgang Wegert über das Gebet des Propheten Jona, das er in tiefster Not aus dem Bauch des Fisches heraus zu Gott betete. Trotz seiner verzweifelten Lage hielt er dennoch an Seinem Gott fest und bezahlte dem Herrn die Gelübde, die er Ihm gemacht hatte. Das ergriff die Zuhörer so sehr, dass auch sie sich dem Herrn Jesus Christus wieder neu weihen wollten, weshalb sehr viele nach vorn kamen, um Gott zu bitten, auch ihr Leben, wie das des Jona, aus Gnade wieder zu Recht zu bringen. Mit Freude und großer Dankbarkeit im Herzen endete das Treffen und jeder trat mit fröhlichem Herzen den Heimweg an. Das Hamburger Team war erst um Mitternacht wieder zu Hause.