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Ich tat nichts – das Wort tat alles

Das neue Jahr steht ganz im Zeichen von 500 Jahren Reformation. Kirche, Politik und Gesellschaft erinnern mit verschiedenen Ausstellungen, Konzerten und Gottesdiensten an den Thesenanschlag in Wittenberg. In dem umfangreichen Veranstaltungskalender des Jubiläumsjahres mag manch wertvoller Beitrag hinsichtlich dieses historischen Ereignisses zu finden sein. Doch es fällt auf, dass das wesentliche Anliegen der Reformatoren heute leider kaum noch berücksichtigt wird. Ihnen ging es in erster Linie doch nicht um politische oder gesellschaftliche Veränderungen, sondern um einen geistlichen Aufbruch zurück zum Wort Gottes. Denn als Martin Luther die 95 Thesen an die Tür der Schlosskirche zu Wittenberg nagelte, gab es in Europa kaum noch Prediger des wahren Evangeliums. Die Kanzel war von der römisch-katholischen Kirche zur Nebensache degradiert worden. An erster Stelle standen die heilige Messe, Rituale und Zeremonien. Auslegende Predigten von biblischen Texten waren dagegen völlig verloren gegangen. In den Gottesdiensten gab es kurze lateinische Ansprachen, die die Mehrheit der Besucher nicht verstehen konnte. Martin Luther klagte: „Gottes Wort wurde zum Schweigen gebracht, nur noch das Lesen und Singen ist der Kirche geblieben. Dies ist der schlimmste Missstand. … Ein Wust an unchristlichen Fabeln und Lügen, Legenden und Hymnen wurde eingeführt, sodass es mir graust.“[1] Dies war der düstere Zustand der damaligen Kirche.

Die Wiederbelebung der Predigt tut not

Das erinnert uns an die heutige Zeit. Auf vielen Kanzeln unseres Landes ist das Wort Gottes erneut zur Nebensache geworden. Statt es glaubensfördernd zu predigen, wird es infrage gestellt. Oft wird es von Anekdoten, Gedichten und Liedtexten derart an den Rand gedrängt, dass es kaum noch Beachtung findet. Die Bibel wird als ein gewöhnliches Buch unter vielen betrachtet, aber selten als die Stimme des lebendigen Gottes. Diese Entwicklung ist tragisch. Die Folge davon ist, dass die Menschen sich vom Herrn abwenden und von Ihm und Seinen guten Geboten nichts mehr wissen. Es bricht uns das Herz, diese geistliche Entwicklung in Deutschland zu sehen und zugleich zu wissen, dass unser Land ohne Jesus Christus verlorengeht. Aber woher sollen die Menschen denn von dem Sohn Gottes wissen, wenn niemand da ist, der ihnen von Ihm erzählt? „Wie sollen sie aber den anrufen, an den sie nicht glauben? Wie sollen sie aber an den glauben, von dem sie nichts gehört haben? Wie sollen sie aber hören ohne Prediger?“ (Römer 10,14). 500 Jahre nach der Reformation brauchen wir dringender als je zuvor eine Wiederbelebung der Verkündigung, denn der Glaube kommt aus der Predigt, „die Predigt aber durch die Verkündigung des Wortes Gottes“ (Römer 10,17).

Dieses Anliegen brennt uns als Arche auch für das neue Jahr auf dem Herzen. Mit Gottes Hilfe möchten wir weiter „das Wort predigen“ – nicht nur in Kirchengebäuden, sondern auch im Fernsehen und im Internet. TV-Geräte, Laptops und Smartphones sind die Marktplätze von heute, auf denen die Menschen viel Zeit verbringen. Dort, wo sie sind, wollen wir sie mit dem Evangelium erreichen und auch in 2017 an diese modernen Hecken und Zäune gehen und das Wort Gottes predigen.

Inhalt der Predigt muss die Bibel sein

Die Reformation war also zuallererst eine Wiederbelebung der Verkündigung. Doch wir müssen beachten, dass es sich dabei nicht einfach um einen größeren Redeanteil des Pastors im Gottesdienst handelte. Entscheidend war der Inhalt der Predigt. Diesen bezogen die Reformatoren aus der Bibel. John Brodarus, ein Professor des 19. Jahrhunderts, schrieb dazu: „Anstatt lange und oft fabelhafte Erzählungen von Heiligen und Märtyrern, Wundern, Passagen aus philosophischen Werken … predigten diese Männer die Bibel.“[2] Sie liebten ihre Bibel. Sie vertieften sich im persönlichen Studium immer weiter in sie hinein. Auf der Kanzel dann schlugen sie das Wort Gottes auf und ließen die Texte der Heiligen Schrift sprechen. Sie erklärten, legten aus und proklamierten die Wahrheiten Gottes. Dabei erlebten sie, wie das Wort Gottes „lebendig und kräftig und schärfer als jedes zweischneidige Schwert“ ist und bis in das Innerste hineindringt (Hebräer 4,12).

Sie predigten, wie auch Petrus es tat. Seine Pfingstpredigt zum Beispiel war ganz und gar von der Bibel durchtränkt. Immer und immer wieder nahm er Bezug auf biblische Texte. Er zitierte zum Beispiel aus Joel 3, aus Psalm 16 und Psalm 110. Das Wort Gottes war Grundlage seiner Rede. Seine Predigt war expositorisch, d. h. er legte die Schrift aus. Er stand nicht auf und tat seine persönliche Meinung über gesellschaftliche Entwicklungen kund. Er wollte auch nicht seinen Zuhörern gefallen. Er redete ihnen nicht nach dem Mund, sondern führte sie direkt und ohne Umwege zu Gottes Wort. Dabei nahm er kein Blatt vor den Mund, sondern konfrontierte sie mit ihrer großen Schuld vor Gott. Er zeigte ihnen auf, dass sie alle am Tod Jesu Christi schuldig geworden waren. Aber dann rief er ihnen zu, dass jeder, der den Namen des Herrn Jesus anruft, errettet wird (Apostelgeschichte 2,21-22). Als die Zuhörer das hörten, „drang es ihnen durchs Herz“ (Vers 37). Und nachdem sie Buße getan hatten und sich hatten taufen lassen, wurden 3000 Menschen der Gemeinde hinzugetan (Verse 38-41).

Liebe Freunde der Arche, lasst uns nicht das Vertrauen in die Kraft des Wortes verlieren. Die Bibel ist und die Bibel bleibt Grundlage erwecklicher Predigt. Dies war bei den Aposteln so und dies war auch das Erkennungszeichen der Reformation. Möge die Hingabe zur Bibel unsere Herzen neu entfachen, damit ihr Evangelium noch viele Herzen erreicht und errettet!

Nicht aus Werken, sondern aus Gnade

Mit dem Eifer für das Wort Gottes stellte sich auch eine Wiederentdeckung der Gnadenlehren ein. Die Lehre von der göttlichen Souveränität bei der Erlösung eines Menschen war damals vollkommen verschwunden. Sie wurde durch die falsche Lehre von der Gerechtigkeit aus Werken ersetzt, was die Menschen furchtbar knechtete. Als man aber wieder die biblische Gnadenlehre erfasste, wurde sie von allen Reformatoren verkündigt und so zu einem Leitspruch der Reformbewegung: Sola Gratia – aus Gnade allein!

Martin Luther wäre zuvor ja beinahe an der Gerechtigkeit Gottes verzweifelt – bis er schließlich erkannte, dass er mit seinen noch so gut gemeinten Werken vor Gott nicht bestehen konnte. Als er auf der einen Seite seine Unzulänglichkeit und auf der anderen Seite Gottes Heiligkeit sah, schrieb er: „Ich liebte Ihn nicht, nein! Ich hasste Ihn, den gerechten Gott, der Sünder bestraft.“[3] In seiner Seele tobte ein Kampf, bis das göttliche Licht sein verdunkeltes Herz erleuchtete. Er las zum wiederholten Mal Römer 1, 17, wo es heißt: „Der Gerechte wird aus Glauben leben.“ Luther verstand plötzlich, dass allein der Glaube rettet, der einem verlorenen Sünder geschenkt wird. Er schrieb Folgendes: „Durch die Gnade Gottes habe ich, während ich Tag und Nacht darüber nachsann, endlich den Kontext dieser Worte betrachtet, der da lautet: ‚Denn darin wird offenbart die Gerechtigkeit, die vor Gott gilt, welche kommt aus Glauben in Glauben, wie geschrieben steht: Der Gerechte wird aus Glauben leben.‘ Da begann ich plötzlich zu begreifen, dass die Gerechtigkeit Gottes darin besteht, dass der Gerechte durch ein Geschenk Gottes lebt, nämlich allein durch den Glauben. … Da fühlte ich mich plötzlich wie neugeboren, und es war mir, als ob ich das Paradies durch geöffnete Türen betreten hatte.“[4]
Vor 500 Jahren breitete sich die protestantische Bewegung über Europa aus. Heute, ein halbes Jahrtausend später, brauchen wir eine erneute Reformation. Wir benötigen eine geistliche Erweckung, die uns zurück zum Wort Gottes führt, der Predigt einen neuen Stellenwert verleiht und die Lehren der Gnade wiederentdeckt. Unser Wunsch und ernstes Gebet ist es, dass Gott auch die Arbeit der Arche benutzen möge, um einen kleinen Beitrag zu einer geistlichen Erneuerung in Deutschland und darüber hinaus zu leisten.

 Das Wort tat alles

Das Wort Gottes hat nicht nur Kraft, ganze Länder und Kontinente zu verändern, sondern auch unser persönliches Leben. Zu Beginn des neuen Jahres möchte ich alle Leser ermutigen, dem Herrn und Seinem Wort zu vertrauen. Auch wenn wir nicht wissen, wie das Jahr verlaufen wird, bleibt Gott dennoch derselbe. Er wird auch Euch in 2017 Kraft und Stärke durch Sein Wort schenken, denn „dein Wort ward meine Speise, sooft ich’s empfing, und dein Wort ist meines Herzens Freude und Trost; denn ich bin ja nach deinem Namen genannt, Herr, Gott Zebaoth“ (Jeremia 15,16).

Rückblickend auf sein Leben und Dienst sagte Martin Luther dies: „Ich habe schlichtweg Gottes Wort gelehrt, gepredigt und aufgeschrieben; sonst habe ich nichts getan. Und während ich schlief, nahm das Wort dem Papsttum alle Macht, wie es noch kein Prinz oder Befehlshaber je zuvor geschafft hat. Ich tat also nichts; das Wort tat alles.“[5] Das Wort tat alles. So möge es sein und so wird es sein!

Christian Wegert

Dieser Artikel ist in der Januar Ausgabe 2017 der Taube (kann hier kostenlos bestellt werden), dem monatlichen Nachrichtenblatt der Arche, erschienen.

[1] Steven J. Lawson, „Der standhafte Prediger Martin Luther“, 2014, 3L-Verlag, Seite 45.;
[2] Ebda. Seite 13.; [3] Ebda. Seite 30.; [4] Ebda. Seite 31. [5] Ebda. Seite 36.

Weihnachten – ein Fest der Gerechtigkeit

Weil die Gerechtigkeit von Gott her im menschlichen Wesen verankert ist, sehnt sich jeder Mensch nach ihr. Trotzdem ist er zu ihr nicht fähig, denn die Welt ist voller Ungerechtigkeit. Was Weihnachten damit zu tun hat, erläutert Pastor Wegert im folgendem Artikel. Dieser ist in der Dezember Ausgabe der Taube (kann hier kostenlos bestellt werden), dem monatlichen Nachrichtenblatt der Arche, erschienen.

Weihnachten – ein Fest der Gerechtigkeit

oder

Wie man Barmherzigkeit falsch verstehen kann

Kürzlich sollen vier junge Männer in Hamburg eine 14-Jährige mehrfach brutal vergewaltigt haben. Sie filmten das Verbrechen mit ihrem Smartphone und warfen das halbnackte Mädchen bei Temperaturen um den Gefrierpunkt schließlich irgendwo draußen in eine Ecke. Passanten hörten das Wimmern der Gequälten, deren Leben trotz schwerer Unterkühlung gerade noch gerettet werden konnte. Eine Gefängnisstrafe erhielt nur der 21-Jährige. Die anderen drei bekamen lediglich Jugendstrafen auf Bewährung. Das heißt, von ihnen muss keiner in Haft. Als das Urteil gesprochen war, sollen die Angeklagten gejohlt und Siegeszeichen proklamiert haben. Und der Richter meinte noch, dass das Urteil auch deswegen so milde ausgefallen sei, weil die Täter eine günstige Sozialprognose hätten.

Bemerkenswert ist aber, dass empörte Bürger wegen dieses skandalösen Urteils eine Petition gegen diese Gerichtsentscheidung starteten, die innerhalb kürzester Zeit von rund hunderttausend Menschen unterzeichnet wurde. Warum begehren so viele gegen diese „freiheitlich, demokratisch“ gefällten Schuldsprüche auf? Warum rumort es im Volk, in dessen Namen doch solche huldreichen Urteile gesprochen werden? Und warum wenden sich immer mehr Wähler von den etablierten Parteien ab, die eine solche liberale Gesetzgebung zu verantworten haben?

Hunger nach Gerechtigkeit

Die Menschen haben Hunger nach Gerechtigkeit. Natürlich prangt vor unseren Gerichtsgebäuden immer noch die Justitia mit ihren beiden sich die Waage haltenden Schalen, aber von einem echten und gerechten Ausgleich zwischen Opfer und Täter kann leider nur noch selten gesprochen werden. Immer ist von der notwendigen Resozialisierung, von der Wiedereingliederung der Täter in die Gesellschaft und von der ihnen zustehenden „zweiten Chance“ die Rede. Aber die lebenslang geschädigten Opfer haben meistens keine Chance mehr – wenn sie umgebracht wurden, sowieso nicht. Wo bleibt denn ihre Menschenwürde, die sonst immer angemahnt wird? Ruft jemand dennoch nach einem gerechteren Ausgleich, wird er sofort bezichtigt, eine Rache-Justiz zu wollen. Meistens wird dann auch noch das biblische „Auge um Auge, Zahn um Zahn“ verfälscht und gesagt, dass wir doch wohl nicht ins rachsüchtige Alte Testament zurückkehren wollen. Interessanterweise gelingt es den herrschenden Meinungsmachern trotz ihrer massiven Einflussnahme dennoch nicht, die Gesellschaft zu mehr Verständnis für Gesetzesbrecher zu erziehen.

Das hängt mit der Natur des Menschen zusammen. Obwohl er gefallen ist und seine Ebenbildlichkeit mit dem Schöpfer äußerst entstellt ist, existiert in ihm aber immer noch ein Restbestand des Wesens Gottes. Und dazu gehört auch die Gerechtigkeit. Weil sie von Gott her im menschlichen Wesen verankert ist, sehnt sich jeder Mensch nach ihr. Seine Seele dürstet sogar nach ihr. Und wenn ideologisch verbrämte Politik nicht mehr Gerechtigkeit im Lande walten lässt, statt Strafe nur noch Resozialisierung verordnet und Wiedergutmachung als Rache bezeichnet, geht das Volk instinktiv nicht mit, sondern wählt sich andere Parteien – wie zurzeit in vielen westlichen Teilen der Welt zu sehen. Dabei droht jedoch die ernste Gefahr, dass das Pendel in die entgegengesetzte Richtung ausschlägt. Und in welch eine Katastrophe uns das wiederum führen kann, hat uns die Geschichte gezeigt. Darum lautet das biblische Fazit: Obwohl der Mensch große Sehnsucht nach Gerechtigkeit hat, ist er aber aufgrund seiner Gefallenheit zur ihr nicht fähig.

Zion wird durch Recht erlöst und seine Bekehrten durch Gerechtigkeit

Darum sollten Verkündiger des Evangeliums auch besser nicht Politik betreiben, sondern lieber den Einen verkündigen, der allein die Sehnsucht der Menschen nach Gerechtigkeit stillen kann. Und das ist kein anderer als Jesus Christus. Darum sagt schon das bekannte Wort, das wir gern zu Weihnachten lesen: „Denn ein Kind ist uns geboren, ein Sohn ist uns gegeben und die Herrschaft ruht auf seiner Schulter; … dass er sein Königreich gründe und festige mit Recht und Gerechtigkeit von nun an bis in Ewigkeit“ (Jesaja 9,5-6). Es ist also einseitig und falsch, wenn man Weihnachten nur als das „Fest der Liebe“ bezeichnet. Es ist auch das Fest der Gerechtigkeit. Entsprechend heißt es in dem anderen bekannten Adventwort: Siehe, dein König kommt zu dir, ein Gerechter und ein Helfer, arm und reitet auf einem Esel, auf einem Füllen der Eselin“ (Sacharja 9,9). Die Verheißungen des kommenden Messias betreffen also nicht nur Seine Barmherzigkeit und Gnade, sondern wir lesen auch: „Zion wird durch Recht erlöst werden und seine Bekehrten durch Gerechtigkeit“ (Jesaja 1,27).

Aber wie das denn? Wir haben doch immer gehört, dass wir durch Gnade und Barmherzigkeit erlöst worden sind. Ja, das ist wahr und das bleibt auch wahr. Aber die Barmherzigkeit des Herrn gibt es nie ohne Seine Gerechtigkeit, nie auf Kosten des Rechts. Das zeigt uns das Kreuz von Golgatha auf überwältigende Weise. An ihm sehen wir, dass Gott uns Gesetzesbrechern Seine Güte nicht in der Weise schenkt, dass Er Recht und Gerechtigkeit einfach unter den Teppich kehrt. Uns wird keine einzige Sünde vergeben, ohne dass sie nicht auch bestraft wird. Uns wird keine einzige Schuld erlassen, ohne dass sie nicht auch bezahlt wird. Denn von dem Gott der Bibel heißt es: Du liebst die Gerechtigkeit und hasst die Gesetzlosigkeit“ (Psalm 45,8). Damit ist klar, dass Gott keine einzige Sünde ungestraft lässt – sei sie noch so klein –, sondern Er wird dafür sorgen, dass der kleinste Buchstabe und jedes Tüpfelchen am Gesetz zur Geltung kommt (Matthäus 5,18). Denn: Es ist leichter, dass Himmel und Erde vergehen, als dass ein einziges Strichlein des Gesetzes falle“ (Lukas 16,17).

Niemand bilde sich ein, dass Gott in dem Sinne großzügig sei, dass Er Sünde nicht mehr Sünde nennt und einfach nur mit dem Schwamm über sie drüberwischt. Manche meinen, dass Er dazu sogar verpflichtet sei, weil das die Menschenliebe gebiete. Solche Leute wollen Gott auffordern, im Namen der Liebe gesetzlos und im Namen der Barmherzigkeit rechtswidrig zu sein. Es ist schon genug, dass wir solche Zustände hier auf Erden haben. Im Königreich Gottes jedenfalls wird es solche Verhältnisse nicht geben. Denn die Grundfesten Seines Thrones sind Recht und Gerechtigkeit (Psalm 89,15).

Jesus – der König der Gerechtigkeit

Wenn das so ist, wie kann Gott uns dann aber dennoch gnädig sein? Wie schon erwähnt, liegt das Geheimnis im Kreuz. Dort erbarmt sich Gott in Jesus Christus über Sünder, verschafft dem Recht aber dennoch seine Gültigkeit. Der Allmächtige bleibt hinter Seiner heiligen Gerechtigkeit nicht einen Millimeter zurück, Er drückt kein Auge zu, sondern Er straft jede Sünde, ohne einen Nachlass zu gewähren. Das Überwältigende ist aber nun, dass dieses gerechte Gericht nicht über uns Schuldige ergeht, sondern über Seinen geliebten Sohn Jesus Christus. Er hat sich freiwillig dazu bereit erklärt, Gottes gerechtes Gericht stellvertretend für uns zu tragen. Und so nahm Er am Kreuz die volle Wucht des Zornes Gottes auf sich, sodass wir frei ausgehen. „Die Strafe liegt auf ihm, auf dass wir Frieden hätten“ (Jesaja 53,5).

Wir halten also dringend noch einmal fest: Wir gehen nicht deshalb frei aus, weil Gott in Sachen Übertretung toleranter geworden wäre, sondern weil Er strikt an Seiner Gerechtigkeit festhaltend die unerlässliche Sühne für unsere Schuld auf Jesus gelegt hat. Es ist Jesus Christus, der alle von Gott geforderte Gerechtigkeit im Leben und im Sterben uns zugut erfüllt hat. Darum nennt Ihn die Bibel auch den „König der Gerechtigkeit“ (Hebräer 7,2). Wir gewinnen ein völlig falsches, heutzutage aber sehr im Trend liegendes Bild von Jesus, wenn Er so dargestellt wird, als ob Er nicht am Gesetz interessiert sei, nicht an Strafe und Gericht, sondern nur am pauschalen Freispruch für alle. Eine solche Verfälschung der Person Christi ehrt nicht Seine Barmherzigkeit und Güte, sondern degradiert Ihn zu einem Anarchisten.

Nein, Jesus ist kein politliberaler Gutmensch, der vor lauter Milde jede Ordnung übergeht, sondern Er ist Einer, der zur Aufrechterhaltung von Gottes Recht und Gerechtigkeit Sein Blut und Leben gegeben hat, der bereit war, für die Ehre und Gültigkeit des Gesetzes Gottes am Kreuz zu sterben, damit wir durch den Glauben an Ihn leben können. In dieser Welt nimmt die Gesetzlosigkeit überhand, die Liebe erkaltet in vielen (Matthäus 24,12) und die Verrohung der Menschen nimmt auf dramatische Weise zu. Aber es gibt Hoffnung. Jesus kommt wieder und „wird als König regieren und weise handeln und wird Recht und Gerechtigkeit schaffen auf Erden“ (Jeremia 23,5). Ja, „Er wird den Erdkreis richten in Gerechtigkeit und den Völkern das Urteil sprechen, wie es recht ist“ (Psalm 9,9). Und dann wird Friede sein für Zeit und Ewigkeit. Maranatha, ja, komme bald, Herr Jesus!

Wolfgang Wegert

„Das Wort sie sollen lassen stahn“

Seit einigen Wochen wird innerhalb der Evangelischen Allianz kontrovers über die Rolle der Heiligen Schrift bei bestimmten ethischen Fragen diskutiert. Weil Fernsehzuschauer und Freunde der Arche wiederholt nach unserer Position in dieser Debatte fragen, hat Pastor Christian Wegert in einem Artikel für das Arche Nachrichtenblatt „Taube“ Stellung bezogen. Der Text kann hier <LINK> gelesen werden.

Gott macht Versöhnung möglich!

In einer Predigt über 2.Korinther 5,11-21 wies Christian Wegert, Pastor der Arche-Gemeinde in Hamburg, die Zuhörer darauf hin, dass Gott selbst der Ursprung der Versöhnung zwischen Gott und Menschen ist. Denn: Versöhnung ist möglich, weil Gott aktiv wurde und ein Gott der Vergebung ist.

Die Predigt „Mit Gott versöhnt“ kann im Predigtarchiv der  Arche als PDF heruntergeladen oder auch als Video angesehen werden.

 

Hier ein Auszug aus der Predigt von Pastor Christian Wegert:

Versöhnung ist möglich, weil Gott aktiv wurde

Wir kennen das Gefühl der Kälte, die sich nach einem heftigen Streit einstellt. Jemand muss den ersten Schritt tun und das Gespräch wiederaufnehmen. Jemand muss die Waffen strecken und die Hand reichen.

Unsere Situation als Sünder vor Gott ist absolut nicht vergleichbar mit der eines verkrachten Ehepaares. Zum einen stehen wir als Menschen nicht auf Augenhöhe mit Gott, denn wir sind Seine Geschöpfe. Er ist unendlich viel größer als wir, und die Schuldfrage ist eindeutig. Wenn jemand Versöhnung anstreben sollte, dann sind wir das, denn Gott ist ohne Sünde.

Aber unsere Schuld ist so schwer, dass jeder Zugang zu Gott versperrt worden ist. Wir haben keine Kraft, den gerechten Zorn Gottes über unsere Sünde zu stillen. Wir haben keine Möglichkeit, Seine Gerechtigkeit zu erfüllen. Wir sind die Täter. Wir wurden von Seiner Gegenwart für immer ausgeschlossen.

Die Bibel bezeichnet uns als geistlich tot in unseren Übertretungen und Sünden. Und dennoch spricht der Apostel Paulus hier von einer möglichen Versöhnung. Wie kann das sein?

Versöhnung ist nur und ganz allein möglich, weil Gott aufgrund Seiner Liebe und Barmherzigkeit für uns aktiv wurde. Die Versöhnung beginnt bei IHM. Jegliche Veränderung unserer Beziehung zu Ihm muss von Ihm ausgehen.

In anderen Religionen ist das anders. Dort ist es üblich, dass der Mensch sich Gott nähert oder versucht, Ihn durch Leistung, Werke und religiöse Übungen zu erreichen. Aber die Bibel bezeugt Gott als den, der zu den Menschen gekommen ist. Er zeigt sich uns in der Schöpfung, in unserem Gewissen, auf den Seiten der Bibel und schließlich vollständig und rettend in der Person und dem Werk Seines Sohnes. Als Jesus am Kreuz hing, wurde Er zu einer Brücke von der Entfremdung hin zur Versöhnung.

Deswegen schreibt Paulus: „Das alles aber kommt von Gott, der uns mit sich selbst versöhnt hat durch Jesus Christus“ (V.18).

Unsere Rettung beginnt immer bei Ihm. Alles, was der Apostel in Vers 14ff beschreibt – nämlich unser Heil, die neue Schöpfung, die Vergänglichkeit des Alten –, all dies kommt von Gott (V.18). Auch war es Gott, der in Christus kam: „… weil nämlich Gott in Christus war und die Welt mit sich selbst versöhnte“ (V.19). Und Gott war es auch, der die notwendigen Schritte zu unserer Versöhnung mit Ihm einleitete, „denn er hat den, der von keiner Sünde wusste, für uns zur Sünde gemacht“ (V.21).

Versöhnung ist also nur möglich, weil Gott gehandelt hat. Er ist der Akteur und Architekt, der die Brücke der Versöhnung über die riesige Schlucht der Trennung gebaut hat. Wir konnten es nicht tun, weil wir tot in den Übertretungen unserer Sünden waren, vollkommen unfähig, uns selbst zu retten. Tote bauen eben keine Brücken. Wir waren nicht nur verloren, nicht nur krank, sondern tot. Aber der Allmächtige kam, und Er griff ein.

Versöhnung ist möglich, weil Gott ein Gott der Vergebung ist

Ein zweiter Aspekt der Versöhnung liegt in der Tatsache, dass Gott ein Gott der Vergebung ist. Denn Versöhnung ist immer mit Vergebung verknüpft. Ohne Vergebung gibt es keine Versöhnung. Das Wunderbare ist, dass Gott sich mit uns versöhnte, indem Er unsere Sünden nicht anrechnete. „… weil nämlich Gott in Christus war und die Welt mit sich selbst versöhnte, indem er ihnen ihre Sünden nicht anrechnete“ (V.19).

Der Segen, der auf diesem vergebenden Handeln Gottes liegt, ist kaum in Worte zu fassen. Der Psalmist drückt es folgendermaßen aus: „Wohl dem Menschen, dem der Herr keine Schuld anrechnet“ (Psalm 32,2). Oder Paulus im Römerbrief: „Selig ist der Mann, dem der Herr die Sünde nicht zurechnet!“ (Römer 4,8).

Gott ist ein Gott der Vergebung, und nur deshalb ist Versöhnung möglich. Wo ist solch ein Gott, wie du bist, der die Sünde vergibt und erlässt die Schuld denen, die übrig geblieben sind von seinem Erbteil; der an seinem Zorn nicht ewig festhält, denn er ist barmherzig! Er wird sich unser wieder erbarmen, unsere Schuld unter die Füße treten und alle unsere Sünden in die Tiefen des Meeres werfen“ (Micha 7,18-19). Gott ist bereit, deine Sünden nicht gegen dich zu verwenden, denn „…er hat euch mit ihm lebendig gemacht, die ihr tot wart in den Sünden und in der Unbeschnittenheit eures Fleisches, und hat uns vergeben alle Sünden“ (Kolosser 2,13).

Das ist die Botschaft: Du kannst mit Gott versöhnt werden, weil Er ein Gott der Vergebung ist.

© Christian Wegert

Bibelfreizeit Emmetten

Auf der Arche-Bibelfreizeit in Emmetten/Schweiz wollen wir uns die Zeit nehmen, das wertvolle Buch Esther intensiv zu betrachten. Das Thema lautet: „Das Geheimnis der Wege Gottes – was  bedeuten die vielen Rätsel in deinem Leben?“ Wir laden Sie ganz herzlich ein, mit dabei zu sein.  Vom 15. bis 18. Mai werden, so Gott will, Wolfgang und Christian Wegert morgens und abends  mit Ihnen durch das Buch Esther gehen und an den Nachmittagen in Gemeinschaft mit Ihnen die schöne Bergund Seenlandschaft von Emmetten erkunden. Weitere Informationen zu Kosten und Anmeldung könnt Sie im Arche-Büro anfordern.

Tel.: 040/547050
Mail: info@arche-gemeinde.de